Geduld will gelernt sein

11. Juli 2020 // Lesezeit: 3 Minuten

In diesem Blogartikel möchte ich eine Geschichte mit dir teilen, auf die ich im Internet gestoßen bin. Sie hat mich zum Nachdenken angeregt. 

Die buddhistische Geschichte

Buddha und seine Jünger beschlossen, auf eine Reise zu gehen, auf der sie verschiedene Gebiete und Städte durchqueren würden. Eines Tages, als die Sonne in ihrer ganzen Pracht schien, entdeckten sie einen See in der Ferne und hielten an, bedrängt von Durst. Als Buddha ankam, wandte er sich an seinen jüngsten und ungeduldigsten Schüler:

„Ich habe Durst. Kannst du mir etwas Wasser aus dem See holen?“

Der Schüler ging zum See, aber als er ankam, bemerkte er, dass ein Ochsenwagen durch das Wasser fuhr, und das Wasser wurde langsam trüb. Nach diesem Vorfall dachte sich der Schüler: „Ich kann dem Meister dieses trübe Wasser nicht zum Trinken geben.“  Da kehrte er zurück und sagte zu Buddha:

„Das Wasser ist sehr schlammig. Ich glaube nicht, dass wir es trinken können.“

Nach einer Weile, vielleicht einer halben Stunde, bat Buddha den Schüler erneut zum See zu gehen und ihm etwas Wasser zum Trinken zu bringen. Der Jünger tat dies. Das Wasser war jedoch immer noch getrübt. Er kehrte zurück und informierte Buddha in schlüssigem Ton über die Situation:

„Das Wasser dieses Sees kann nicht getrunken werden. Wir gehen besser zum Dorf, damit seine Bewohner uns etwas zu trinken geben können.“

Buddha antwortete ihm nicht, aber er machte auch keine Anstalten, weiterzugehen. Er verweilte an Ort und Stelle. Nach einer Weile bat er denselben Schüler, zum See zurückzukehren und ihm Wasser zu bringen. Da er seinen Herrn nicht infrage stellen wollte, ging dieser zum See; er spürte jedoch Wut in sich aufsteigen, da er nicht verstand, warum er zurückkehren musste, wenn das Wasser doch schmutzig war und nicht getrunken werden konnte.

Das beste Gebet ist Geduld.

Buddha

Als er ankam, stellte er zu seinem Erstaunen fest, dass das Wasser nun frisch, ja kristallin aussah. Also nahm er etwas von dem Wasser und brachte es seinem Meister. Der sah auf das Wasser und sagte zu seinem Schüler:

„Was hast du getan, um das Wasser zu reinigen?“

Der Schüler verstand die Frage nicht. Er hatte nichts getan, es war offensichtlich. Dann sah Buddha ihn an und erklärte es ihm:

„Du wartest und lässt es in Ruhe. Auf diese Weise setzt sich der Schlamm von selbst ab und du erhältst sauberes Wasser. So ist auch dein Verstand! Wenn er gestört wird, musst du ihn einfach sein lassen. Gib dem Ganzen etwas Zeit. Sei nicht ungeduldig. Im Gegenteil, übe dich in Geduld. Du musst dir keine Mühe geben, ihn zu beruhigen. Das Gleichgewicht wird sich allein finden. Die Dinge werden ihren Lauf nehmen, wenn du dich nicht verrennst.“

In einer Welt wie dieser ist es oftmals schwer, seinen Verstand in Ruhe zu lassen. Tagtäglich werden wir von verschiedenen Reizen bewusst oder auch unbewusst beeinflusst. Wir hegen Ziele, Wünsche, Erwartungen und Träume. Diese sollten sich am Besten auf der Stelle erfüllen. Warten und sich selbst, wie auch den Dingen, Zeit geben? – Kommt gar nicht in Frage. Das dauert uns zu lange – lieber stressen wir unseren Geist und treten auf der selben Stelle.

Geduld ist das Vertrauen, dass alles dann passiert, wenn die Zeit dafür reif ist.

Andreas Tenzer

Gönne deinem Verstand hier und da eine Pause. Fang’ mit kleinen Schritten im alltäglichen Leben an. Sei es beim Warten auf die Straßenbahn, beim Anstellen in der Schlange im Lebensmittelgeschäft oder Ähnliches. Täglich werden wir vor Aufgaben gestellt, die unsere Geduld (heraus-)fordern. Sieh’ es als Chance, deinen Geist zu trainieren. 

#highfive
euer RealTalk-Team