Eine Reise ins Innere

25. April 2020

Ein indisches Sprichwort besagt: “Manchmal musst du über den Berg steigen, damit der Weg weitergeht.” Dieses Sprichwort passte bei mir wie die Faust auf’s Auge. Ich gab mein Vertriebler-Dasein auf und stellte mir die Frage: „Was will ich wirklich?“. Drei Monate brannte sich diese Frage durch jede einzelne meiner Gehirnzellen. Meine Lösung, und gleichzeitig ein Verrat an meine Seele, war der Beginn eines Studiums. Sportwissenschaften. Meine Oma drängte mich zu einem Studium, damit etwas „Gescheites“ aus mir wird. Drei Wochen sah meine Seele zu, doch dann war Schluss damit. Während einer Vorlesung stand ich auf und schrie: „Für was lernen wir das denn alles?“. Ich traf eine Entscheidung. Kein Verrat an meine Seele mehr. Wie es der Zufall so will, befand ich mich eine Woche später auf einem Sessel und lauschte einem jungen, inspirierenden Mann. Rowin Höfer. Er ging zwei Jahre zu Fuß durch die Welt. Mann, hat mich das gepackt. Ich verkaufte mein Auto, rasierte mir die Haare ab, kaufte einen Schlafsack und buchte meinen Flug nach Neuseeland. Dem wohl weit entferntesten Land Österreichs. Es gab kein Zurück mehr. Ich hab mich entschieden und war entschlossen.

„Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.“

Kurt Tucholsky

Die Wochen zum Abflug glitten so dahin. Ich spürte keine Angst, nur reine Freude. Dann ging es los. Wien -> Frankfurt -> Dublin -> Sydney -> Auckland (Neuseeland). Doch in Sydney passierte es.

Die Angst klopfte nicht nur an meiner Tür, sie rannte sie regelrecht ein.

Meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt: „Ich will zurück! Was mache ich denn überhaupt in Neuseeland? Wie sieht mein Plan aus? Habe ich denn überhaupt einen?“. Und genau dort, dort wo die Angst am allergrößten war, geschah der perfekte „Zufall“. Ein Mann Mitte 30 und leicht alkoholisiert setzte sich im Flugzeug nach Sydney neben mich. Er fragte: „Was machst du, wenn du aus dem Flieger steigst?“. Meine Antwort: „Fuck, ich habe keine Ahnung!“. Wiederum seine Antwort: „Dann schlaf die ersten Tage einfach bei mir und meiner Mutter.“. Und so startete das Wunder meiner Reise.

Manchmal dürfen wir einfach nur auf das Leben vertrauen, denn das Timing des Lebens ist meist perfekt. Die Dinge, die ich auf sechs Kontinenten und in zwei Jahren voller Reisen lernen durfte, sind folgende:

Ich habe festgestellt, wie wenig man wirklich benötigt, um glücklich zu sein. Hand aufs Herz: Wollen wir nicht an den meisten Tagen einfach nur glücklich sein? Einfach in der Sonne liegen und ein kühles Getränk zu uns nehmen? Das Reisen hat mich Dankbarkeit gelehrt. Dankbarkeit für die kleinen Dinge. Ein Bett. Wasser aus dem Wasserhahn. Ein tolles Umfeld. Essen. Natur.

Auf der ganzen Welt findest du einzigartige Menschen, Freunde. Auf jedem Kontinent gibt es unzählige fantastische Leute. Sei ein liebenswürdiger Mensch und Gleichgesinnte werden deinen Weg kreuzen.

Jede Reise erweitert deinen Horizont auf eine bewundernswerte Weise.

Mutig kann nur der sein, der Angst verspürt. Ein Sprung ins kalte Wasser ist gar nicht immer so kalt, wie du es dir ausgemalt hast. Bei jeder Reise lernst du dich ein Stück besser kennen. Du bekommst einen Überblick was dir wirklich wichtig ist.

#highfive

euer RealTalk-Team